Upgrade: Powerlogix PowerForce G3/1000 (750GX)


getestet im PowerMac 9500/132


05. Juni 2005 - Seit Januar dieses Jahres bietet die amerikanische Firma Powerlogix für alte PCI-Macs ein ganz besonderes Upgrade an: Die PowerForce G3/1000. Was ist so besonders an diesem Upgrade?

Nun, der verbaute Chip ist ein G3-Chip. Es ist der schnellste G3-Chip, der jemals einen Mac befeuern konnte, er taktet nämlich mit 1 Ghz*. Doch das ist noch nicht alles: Dieser Chip wurde niemals von Apple selbst verbaut! Möglicherweise war er von IBM speziell für die iBooks entwickelt worden, doch Apple entschied sich zum entsprechenden Zeitpunkt, anstelle von IBMs G3 (PPC 750GX), der damals mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits mit einem Gigahertz verfügbar war, auf Motorolas G4 (PPC 7457) zu setzen, der mit 800 bis 1000 Mhz getaktet wurde und dessen AltiVEC-Funktionen Apple zu stark angepriesen hatte, um noch einmal einen G3 (der ja kein AltiVEC bietet) zu verbauen.

* Powerlogix bietet für beige und blau-weiße PowerMacs noch ein Upgrade mit dem gleichen Chip und 1,1 Ghz an.


Bestellung & Lieferung:
Das Upgrade von Powerlogix ist in Deutschland meines Wissens nirgendwo verfügbar. Daher entschied ich mich zu einem Kauf in den USA. Dank niedrigem Dollarkurs kam ich auf einen für mich akzeptablen Endpreis von etwa 250 Euro (inkl. Steuer und Versandkosten). Die Lieferung dauerte allerdings etwas, da der amerikanische Versender OWC zunächst eine Kopie meines Personalausweises haben wollte, bevor sie ins Ausland lieferten! Dieses Vorgehen fand ich etwas übertrieben und es kostete Zeit. Leider war dann auch noch der Vorrat an Upgrades aufgebraucht und ich musste auf eine neue Lieferung von Powerlogix warten. Nach etwa drei Wochen hatte ich meinen 750GX dann aber endlich in Händen.

Ernüchterung zu Beginn
Ich hatte vor, das Upgrade in meinen PowerMac 8600/200 einzusetzen, der zu diesem Zeitpunkt am besten ausgestattet war. Merkwürdigerweise war es jedoch nicht möglich, aus diesem Rechner und dem Powerlogix-Upgrade ein stabiles System zu formen. Es gab unerklärbare Abstürze, obskure Fehlermeldungen und bei mir viel schlechte Stimmung. Eine Anfrage an Powerlogix wurde umgehend beantwortet, konnte mir aber nicht weiterhelfen: Das Upgrade funktioniere der Erfahrung nach ohne Probleme im PowerMac 8600. - Nun, zumindest bei mir nicht. Auch nicht nach dem Ausbau aller Erweiterungskarten und komplett neuer Systeminstallation.
(Update 09.12.2005: Unser Leser H. Glünder berichtet, dass er die Powerlogix-Prozessorkarte in seinem PowerMac 7600/132 - der das gleiche Motherboard hat wie der 8600er - zum Laufen gebracht hat, indem er den originalen internen Level2-Cache des 7600ers aus dem Sockel auf dem Nitro-Motherboard entfernte. Bei unserem Test hat leider auch diese Maßnahme nichts gebracht, aber hier war es offensichtlich die Lösung. Vielen Dank für den Tipp!)

Zweiter Versuch
Enttäuscht entschied ich mich eine Woche später zu einem anderen Weg. Nun sollte der 9500/132, der auch noch bei mir steht, als Träger für die G3-Rakete fungieren. Die Überraschung: Hier funktioniert das Upgrade perfekt. Die von mir getesteten Systeme zeigten keinerlei Probleme und so habe ich alle Test auf diesem Rechner durchgeführt.
Die Ergebnisse sind zum Teil überraschend.



a) Test unter OS X (10.2.8) mit Xbench (1.1.3):


Anmerkung: Xbench erkennt die Taktrate nicht richtig und gibt nur 500 Mhz an. Es sind aber 1000 Mhz!


b) Test unter OS 9.1 mit Mac Bench*

Powerbook G3 "Pismo"
mit Powerlogix PowerForce G3/900
PowerMac G4
mit 1250 Mhz
PowerMac 9500/132
mit Powerlogix PowerForce G3/1000
CPU: 2735 CPU: 2872 CPU: 3656
FPU: 3019 FPU: 3090 FPU: 3260
*Den Standardwert (je 1000 Punkte) liefert ein PowerMac G3/300 mit 512kb Level-2-Cache

Interpretation der Ergebnisse
Der G3 scheint gegenüber dem G4 einen klaren Vorteil bei Fließkomma-Berechungen zu haben. Die FPU-Testwerte sowohl unter OS 9 als auch unter X sind beeindruckend. Wenn die Werte, die Mac Bench ermittelt hat, stimmen, dann hängt der 250 Mhz langsamere G3 den G4 aus meinem modernen PowerMac ganz deutlich ab und das auch bei der puren CPU-Leistung. Dabei muss man natürlich berücksichtigen, dass Mac Bench die AltiVEC-Fähigkeiten des G4 nicht miteinberechnet! Daher ist unter dem Strich der G4 natürlich schneller. Ohne AltiVEC und bei gleicher Taktrate scheint er sich aber dem eine Generation älteren Chip geschlagen geben zu müssen - eigentlich ein Skandal.

Ergebnisse in der Wirklichkeit
Die subjektive Geschwindigkeitsempfindung mit dem G3-Upgrade ist unter OS 9.1 sehr gut. Alles läuft fix und souverän. Der Chip ist ein fleißiges Arbeitstier und mit seinem großen Level-2-Cache (1MB bei 1000Mhz) ausgezeichnet ausgestattet.
Ein ganz enormes Problem liegt allerdings darin, dass die Rechner, die man mit dem Upgrade aufrüsten kann, hemmungslos veraltet sind. Deutlich erkennt man das an den Werten des Speicher-Tests in XBench (Memory Test). Der erzielte Wert von schlechten 13.65 hat nichts mit dem Powerlogix-Upgrade zu tun, sondern rührt einfach von den uralten DIMMs, die im PowerMac 9500 verbaut sind. Leider kann man hier nichts verändern.
Einen gewaltigen Leistungsschub könnten natürlich eine neue Grafikkarte (z.B. ATI Radeon 9200 PCI) und eine schnelle neue Festplatte/neuer Controller (z.B. eine UltraATA-133 Karte) liefern. Damit könnten der Wert im Gesamtergebnis bei XBench sicher verdoppelt werden. Diese Anschaffungen sind aber nicht billig.

Fazit:

Das Powerlogix-Upgrade lohnt sich für all diejenigen, welche einen alten Rechner bereits gut aufgerüstet haben (viel Speicher, gute moderne Grafikkarte und moderner Festplatten-Controller + moderne Festplatte).
Für jeden anderen wird die Sache zu teuer werden - für knapp 500 Euro bekommt man immerhin einen modernen Mac mini - das darf man nicht vergessen!

Eine Abwertung gibt es wegen der unerklärbaren Probleme im PowerMac 8600/200.



Alle Angaben ohne Gewähr!